Wenn man so vor sich hinwandert hat man viel Zeit, um über alles mögliche nachzudenken.

Als ich letztes Wochenende von Keflavik aufs Meer geschaut habe, ging mir durch den Kopf, dass es ungefähr 2500 Kilometer von Mühlethurnen bis hier sind. Wenn ich von hier nochmal 2500 Kilometer nach Nordwesten reise komme ich grob gesehen zum Nordpol. Und wenn ich von dort nochmal 2000 Kilometer weiter reise bin in Sibirien. Von hier aus sind plötzlich ganz andere Weltgegenden (relativ) nah, denn die Erde ist ja bekanntlich eine Kugel.

So sieht das auf einem Bild aus, das die Erde effektiv als Kugel abbildet und Europa nicht als Zentrum der Welt zeigt. Und ich kann das Ganze auch noch umdrehen, dann wird das Bild noch weniger vertraut – und irgendwie “falsch”?

Die Erde ist eine Kugel, aber wir verkaufen sie uns selbst immer als Scheibe mit dem Zentrum Europa. Dabei ist eine Kugel eben eine Kugel und jeder Blick auf diese Kugel ist genauso richtig. Es gibt kein Oben und kein Unten, es gibt kein Zentrum der Kugel.
Mir fiel plötzlich auf, wie schlimm zum Beispiel Google Maps ist, das wir alle dauernd verwenden: eine krasse Zylinder-Projektion (auch Mercator-Projektion genannt), bei der die Winkel und Formen der Landmassen der Realität entsprechen, die Grössenverhältnisse aber völlig – und zwar wirklich völlig! – falsch sind. Alles, was zwischen dem südlichen und nördlichen Wendekreis, also 23 Grad südlich und nördlich des Äquators liegt, wird relativ gesehen viel zu klein abgebildet. Alles, was in den gemässigten Breitengraden liegt, wird dafür viel zu gross abgebildet, je weiter weg vom Äquator, desto verzerrter. Und alle bewegen sich immer auf Google Maps oder auf anderen derart verzerrten Karten und lernen dieses Bild als das normale Abbild der Erde anzuschauen. Kaum jemand hat mehr einen Globus zu Hause, d.h. kaum jemand sieht die Erde wirklich als Kugel.
Wenn ich wieder zu Hause bin werde ich mir einen frei beweglichen Globus suchen. Dann kann ich mir die Erde mal so und mal so drehen, mal mit dem Nordpol als Zentrum der Welt, mal mit dem Libanon als Zentrum der Welt …

Liebe Claudia
Ja, genau. In der Fachdidaktik versuchen wir auch den anderen Blick zu schulen und ich bringe immer eine wirklich grosse Relief-Erdkugel mit in den Unterricht. Leider interessieren sich jeweils nur wenige für diese eindrückliche Erdkugel. Google-Maps ist viel beliebter. Es ist deshalb umso wichtiger, uns gegenseitig immer wieder daran zu erinnern – genau so, wie Du es jetzt gemacht hast.
Herzliche Grüsse
karin
Gehst du Nachbar, guggst du zwei Globusse [sic!] ein sogar mit die Lichte. Beide drehen krass voll durch.