Ich staune jeden Tag, dass es ja doch noch hell wird. Die kürzesten Tage in Island hatte ich mir dunkler vorgestellt. Ein tiefes Dunkelblau oder Schwarz, das die Tage prägt. Und tatsächlich schien mir im November in Borgarnes die Dunkelheit viel dunkler als jetzt in Minni Akrar. In Borgarnes habe ich aus dem Kunstlicht in den Abend oder die Nacht geblinzelt und alles jenseits der Strassenlampen sah schon früh einfach schwarz aus. In der einsamen Landschaft von Minni Akrar haben sich meine Augen an das Dämmerlicht gewöhnt. Die Mittagszeit kommt mir hell vor und bis halb 5 kann ich spazieren und dabei noch etwas sehen.

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Das Dämmerlicht steht den landwirtschaftlich geprägten Gegenden gut, finde ich. Ich erlebe die isländische Landwirtschaft als raues Metier und ich sehe, dass die Ställe hier in der Gegend oder die Kartoffel-Wasch- und Verpackungsanlage in Akureyri aus einer längst vergangenen Zeit zu stammen scheinen. Auf den Höfen ist nicht viel Geld vorhanden – obwohl (oder: weil?) zum Beispiel die Milch von Minni Akrar nicht in der kleinen Chäsi sondern in der grossen Fabrik der mächtigen landwirtschaftlichen Genossenschaft “Kaupfélag Skagfirðinga” verarbeitet wird.



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Der Vollständigkeit halber ist zu erwähnen, dass zu Brúnastaðir auch ein moderner Laufstall für 60 (?) Milchkühe gehört, allerdings ist die Familie gar nicht so glücklich damit.
Zum Thema der mächtigen landwirtschaftlichen Genossenschaften hat Guðrún mir einen wirklich guten Film empfohlen, er ist auf den gängigen Plattformen zu mieten.

Wer sich ein Bild der isländischen Landwirtschaft machen möchte, sollte sich diesen Film anschauen (hier der Trailer).
Liebe Claudia,
mit diesem Märchen wünsche ich dir schöne Festtage und alles Gute fürâs 2024
Hg
Hanneloni