Vor einem Jahr war ich mit den Vorbereitungen für meine grosse Reise beschäftigt und wusste noch nichts von all dem, was mich erwartete. Jetzt blicke ich glücklich und reich beschenkt auf die vielen Begegnungen und Eindrücke zurück und geniesse die letzten 2.5 Wochen in Island. Mit Tim reise ich durchs winterliche Land. Wir besuchen Orte und Menschen, bei denen ich in den letzten Monaten war, und entdecken Neues.


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Auf meiner Reise haben mich immer wieder Bücher begleitet. Durch ihre Geschichten haben Orte und Zeiten für mich Farbe, Gesichter und Atmosphäre erhalten. In den Tagen in Südisland, von denen die Fotos stammen, hat mich “Die Eismalerin” von Kristin Marja Baldursdottir begleitet. Es ist die Geschichte einer starken Mutter, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts allen 6 Kindern – Mädchen und Jungen – eine gute Ausbildung ermöglichen möchte. Und die Geschichte ihrer Tochter Karitas, die weiss, dass sie eine Malerin ist, aber als Ehefrau und Mutter im ländlichen Island mit allem Anderen beschäftigt ist, nur nicht mit Malen. Karitas und ihre Söhne verbringen mehrere Jahre im Gebiet Öræfi, ein isländisches Wort für Einöde oder Wüste. Das Öræfi aus dem Buch gibt es wirklich, es liegt am östlichen Rand der riesigen Sandebene vor dem Skeiðarár-Gletscher, dort, wo auf der Karte unten Fagurholsmyri eingezeichnet ist. Karitas kommt in den 1940-er Jahren nur von Öræfi nur weg, wenn zwei- oder dreimal im Jahr die “Flussmänner” kommen. Diese Männer und ihre Pferde sind die Verbindung zur Aussenwelt, sie bringen Post, Waren und Menschen und nehmen ebensolches mit in die Welt jenseits der fast 40 Kilometer breiten Sandebene mit ihren unzähligen Gletscherflüssen.

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Öræfi war lange Zeit isoliert durch zwei grosse Gewässer, die Reisen sowohl nach Osten als auch nach Westen behinderten. 1967 wurde die Jökulsá im Osten überbrückt und 1974 wurde die Skeiðarárbrú im Westen eröffnet. Erst vor 50 Jahren! Und heute wälzen sich hier die Automassen der Besucherinnen und Besucher über diese Strassen und die reibungslose Verbindung ist eine Selbstverständlichkeit.