Wo unser Alphabet herkommt

Zur Abwechslung ein richtig touristischer Ausflug und viel Geschichte: Die Stadt Jbeil (Byblos) ist eine der ältesten Städte der Welt. Seit der Jungsteinzeit ist dieser Ort durchgehend bewohnt, ab 3000 v.Chr. bauten die Phönizier hier dichte städtische Siedlungen. Sie entwickelten ausserdem ein Alphabet, das die Grundlage für unser modernes Alphabet legte. Die Griechen nannten die Stadt “Byblos”, nach ihrem Wort für Papyrus, das hier gehandelt und nach Ägypten verschifft wurde. Es folgten die Perser, Römer, Mamluken und schliesslich gehörte Jbeil für 400 Jahre (bis 1918) zum osmanischen Reich. Der Libanon wurde nach dem ersten Weltkrieg zum französischen Mandatsgebiet und 1943 unabhängig.

Wie Ebbe und Flut folgten und überlagerten sich hier seit 7000 Jahren die Zivilisationen – und die steinigen Spuren sind noch heute sichtbar, sehr beeindruckend.

The Colony Hostel Beirut

Man muss wissen, was hinter diesem Hostel steckt, um seinen im Winter zugigen Gang mit den grossen Wasserlachen richtig einzuordnen und die selbstgebauten Gas-Heizstrahler wirklich zu schätzen.

Bildlegenden:

1. und 2. Das Hafenquartier Karantina, das laut Zonenplan einmal ein zweites Downtown werden soll, ist arm und heruntergekommen. Hier mietet Farid seit 5 Jahren die oberen Stockwerke der ehemaligen lokalen Schule – hinter der schwarzen Wand verbergen sich Terrasse und Innenräume des Hostels.

3. und 4. Mit viel Kreativität und Eigenleistung sind tolle Räume und Möbel entstanden, das Hostel lebt, auch als lokaler Eventraum.

5. Die Explosion im Hafen von Beirut 2020 zerstört viel, das Geld fehlt um die obere Etage wieder instand zu setzen.

6. Die Wirtschaftskrise macht alles noch schlimmer und so werden Reparaturen nur mit vorhandenem Material gemacht und Heizstrahler selber gebaut.

7. Und all dem zum Trotz: ein schöner Ort, an dem sich Leute aus der ganzen Welt treffen.

Du sollst nicht zu Fuss gehen

Es schüttet, stürmt und gewittert. Die Strassen verwandeln sich in Bäche und sämtliche Regenrinnen entwässern in kräftigen Schwällen aufs Trottoir. So wird noch deutlicher, was mir eh schon durch den Kopf gegangen ist: der öffentliche Aussenraum ist hier nicht für Menschen gedacht, sondern nur für Autos. Ich frage mich, was das fürs öffentliche Leben oder auch fürs Wohlbefinden der Leute bedeutet, wenn es keinen Aussenraum mehr gibt, in dem man von hier nach dort läuft, spaziert, sitzt, sich trifft und einen Schwatz hält.

Beirut, 3. Februar 2023

Seit 2 Tagen bin ich in dieser riesigen Stadt, angekommen bei Dunkelheit, die in einer 3 Millionenstadt ohne Strom unheimlich ist. Bei Tageslicht zeigt sich die Stadt freundlich und viel besser zu Fuss zu erkunden, als ich dachte. Die Gegensätze sind riesige, die älteren und neueren Wunden der Stadt allgegenwärtig. So viele Eindrücke. Zum Glück ist das Colony Hostel eine multikulturelle Oase, in der ich gut aufgehoben bin.