Ana w el lougha el Arabyia

Rafaat Hallab 1881 steht hier geschrieben (eine der Confiserien mit den weltbesten Süssigkeiten…). Ich kann nur die Jahreszahl lesen – vielleicht hätte ich doch vor einem halben Jahr mit dem Lernen der Schrift anfangen sollen.

Die arabische Sprache und ich: immer wieder freue ich mich über kleine Erfolge und Erkenntnisse. So ist zum Beispiel ein hamman ganz einfach ein Badezimmer oder auch das WC in einem Restaurant. Assad ist der Löwe und Amira die Prinzessin, Amir der dazugehörige Prinz. Die meisten arabischen Namen haben eine Bedeutung: Karim bedeutet grosszügig, Nadim ist ein lieber Freund, Khalil ein sehr vertrauter und intimer Freund, Salim bedeutet gesund und Habib geliebt. Der Frauenname Nagham (gh=r) ist eine Melodie und Awatef sind die Gefühle.

Das arabische Alphabet besteht aus 28 Buchstaben, fast ausschliesslich Konsonanten, die je nach ihrer Stelle im Wort 4 Formen annehmen können. Dazu kommen 3 Zeichen für kurze Vokale, die zum Beispiel über ein t gesetzt werden und aus ihm ein ta, tu oder ti machen, plus zwei weiter Zeichen, die selbiges t dämpfen oder verdoppeln. Ein komplexes System – aber ich bereue es doch etwas, die Schrift nicht gelernt zu haben. Ich bediene mich der phonetischen Schrift um die mündliche Sprache zu lernen. Sie wird auch chat-Schrift genannt, ich bin nicht die einzige, die sie verwendet.

So oder so ist es nicht ganz einfach, Arabisch zu lernen. Von Anfang an habe ich mich auf das levantinische Arabisch konzentriert, auf die Umgangssprache der Länder der östlichen Mittelmeerküste. Das libanesische Arabisch wiederum ist einer der Dialekte davon. Es ist in etwas so, wie wenn ich als nicht deutschsprachige Ausländerin Schweizerdeutsch lernen möchte, und dabei auf die Lehrbücher fürs Hochdeutsche angewiesen bin. Das Libanesisch hat eigene Wörter, eine eigene Grammatik und eigene “Töne” und wie bei uns gibt es auch hier regionale Unterschiede in den Begriffen und im Klang der Sprache.

Indem die Wörter nicht dem Fusa (Hocharabisch) entsprechen, kann ich auch nicht einfach ein Übersetzungsapp fragen, wie etwas heisst. Ich kann schon fragen, bekomme dann aber als Übersetzung ein Wort, das hier nicht verwendet wird. Ich kann also nur das lernen, was mir jemand erklärt hat und kann nur das nachschlagen, was ich in meinen Notizbüchern habe. Hinzu kommt, dass die Leute hier sehr gut Englisch und/oder Französisch sprechen und sofort wechseln, wenn mein arabischer Satz holpert. Ich werde in den 5 Monaten hier sehr viel gelernt haben – aber das richtige Erlernen der Sprache bleibt ein Projekt für die Zukunft.

A home away from home

Diese Woche habe ich bei einem Freund von Hiske, meiner Hof-Gastgeberin, einen Arabisch-Intensivkurs gemacht und auch bei ihm gewohnt. Erst als ich mich hier in meinem genialen Zimmer in den Hügeln und mit weitem Blick aufs Meer eingerichtet hatte, fiel mir auf, dass ich mein eigenes Bett gar nicht vermisse und bis jetzt auch noch gar nie darüber nachgedacht hatte, dass ich seit Februar an über 30 verschiedenen Orten übernachtet – und immer sehr gut geschlafen – habe.

So oft sagten mir meine Gastgeber und Gastgeberinnen: “You now have a home away from home!” – und sie meinten es immer Ernst.

Das Colony Hostel in Beirut ist ein echtes “Zuhause weit weg von Zuhause” geworden, in dem ich immer wieder für eine oder zwei Nächte bleibe. Inzwischen ist es in Beirut so warm, dass die ganze Nacht der Ventilator läuft und ich im sanften Rauschen des Windes immer sehr gut schlafe

Das Bett in “Les Racines du Ciel” ist sehr schnell zu meinem geworden.

Qomar Guesthouse in Mtein. Auch auf dem Lebanon Mountain Trail habe ich wunderbar geschlafen.

Selbst mit Challita, dem “Bergler” aus dem Zedernschutzgebiet “Arz Tannourine” verbindet mich inzwischen eine Freundschaft. Eine Woche nach seinem Umzug in eine Wohnung im Rohbau hat er mich während meiner Wanderung bei sich übernachten lassen.

Nicht nur ein “Home away from home” habe ich, sondern gleich mehrere. Ich kann mich wirklich glücklich schätzen.

Kirschenernte

Trotz aller Ambivalenzen und kritischer Gedanken habe ich meine letzte Woche in les Racines du Ciel sehr genossen. Am Donnerstag war Kirschenernte: ein wunderbarer Tag, an dem wir alle zusammen viel gearbeitet, gegessen, geredet und gelacht haben. Zum Hof gehört ein Stück Land, das nochmal 300 Meter höher liegt, d.h. auf fast 1400 M.ü.M.. Hier der weite Blick Richtung Aaqoura und das Hochplateau Richtung Beqaa.

photo Mauricio Yazbek

Wunderbarste Kirschen in rauen Mengen….

Eine windige und fröhliche Rückfahrt hinten auf dem Pick-Up, die mutigen Teenager auf dem Dach der Fahrerkabine…

Les Racines du Ciel zum Zweiten

Ernten für den Souk-el-Tayyeb in Beirut: Manal, Hiske und Ferial, vorne Benjamin und Bassam.

Nach meinem Wander-Monat bin ich wieder auf dem Hof “Les Racines du Ciel” in Lassa. Es war ein echtes Heimkommen – und doch sehe ich beim zweiten Hinschauen die Dinge etwas anders. Mir fiel beim Wandern auf, dass auf den Feldern ausschliesslich muslimische Menschen arbeiten, hauptsächlich Syrerinnen und Syrer, die zum Teil schon seit Jahrzehnten hier leben oder hier geboren sind. Diejenigen, die das Land bearbeiten, wohnen in ärmlichen Häusern. Diejenigen, denen das Land gehört, wohnen im Ausland oder an der Küste, lassen ihre Villen in den Bergen die meiste Zeit des Jahres leer stehen und kommen nur für die Sommermonate her.

Und ja, tatsächlich ist es auch hier in Les Racines du Ciel so.

Links die Häuser der Besitzerfamilien, von denen eines nun immerhin seit einer Woche bewohnt ist; auf dem rechten Bild das Nachbarshaus, in dem ich noch nie ein Lebenszeichen gesehen habe.

Den beiden syrischen Familien wird ihr Platz in der Rangordnumg räumlich zugewiesen. Eine Familie wohnt schattseitig am Hang im UG des Landhauses, die andere in einem schlecht gebauten Truckli weiter oben auf dem Land. Und dabei sind sie es, die die ganze Arbeit machen, d.h. diesen grossen Obst – und Gemüsehof bewirtschaften. Hiske macht als Vertreterin der Besitzerfamilien einen guten Job und ist gut darin, neue Absatzmärkte zu finden. Aber wir Volunteers machen doch eher leichtere und  nebensächliche Arbeiten: wir waschen Flaschen und füllen Saft, Wein oder Cider ab, helfen bei der Alkoholdestillation, bereiten für den Markt vor, sammeln Kräuter und Blumen und kümmern uns um die Wildhecke. Mit der Feldarbeit und den Ziegen und Gänsen haben wir nichts zu tun – und dieses Mal fühle ich mich dabei nicht ganz wohl.

Trotzdem gibt es Momente, in denen ich das sehr entspannte Leben in Hiskes Volunteer-Team, die sonntäglichen Besuche und die schöne Umgebung einfach geniesse…