The Colony Hostel Beirut

Man muss wissen, was hinter diesem Hostel steckt, um seinen im Winter zugigen Gang mit den grossen Wasserlachen richtig einzuordnen und die selbstgebauten Gas-Heizstrahler wirklich zu schätzen.

Bildlegenden:

1. und 2. Das Hafenquartier Karantina, das laut Zonenplan einmal ein zweites Downtown werden soll, ist arm und heruntergekommen. Hier mietet Farid seit 5 Jahren die oberen Stockwerke der ehemaligen lokalen Schule – hinter der schwarzen Wand verbergen sich Terrasse und Innenräume des Hostels.

3. und 4. Mit viel Kreativität und Eigenleistung sind tolle Räume und Möbel entstanden, das Hostel lebt, auch als lokaler Eventraum.

5. Die Explosion im Hafen von Beirut 2020 zerstört viel, das Geld fehlt um die obere Etage wieder instand zu setzen.

6. Die Wirtschaftskrise macht alles noch schlimmer und so werden Reparaturen nur mit vorhandenem Material gemacht und Heizstrahler selber gebaut.

7. Und all dem zum Trotz: ein schöner Ort, an dem sich Leute aus der ganzen Welt treffen.

Du sollst nicht zu Fuss gehen

Es schüttet, stürmt und gewittert. Die Strassen verwandeln sich in Bäche und sämtliche Regenrinnen entwässern in kräftigen Schwällen aufs Trottoir. So wird noch deutlicher, was mir eh schon durch den Kopf gegangen ist: der öffentliche Aussenraum ist hier nicht für Menschen gedacht, sondern nur für Autos. Ich frage mich, was das fürs öffentliche Leben oder auch fürs Wohlbefinden der Leute bedeutet, wenn es keinen Aussenraum mehr gibt, in dem man von hier nach dort läuft, spaziert, sitzt, sich trifft und einen Schwatz hält.

Beirut, 3. Februar 2023

Seit 2 Tagen bin ich in dieser riesigen Stadt, angekommen bei Dunkelheit, die in einer 3 Millionenstadt ohne Strom unheimlich ist. Bei Tageslicht zeigt sich die Stadt freundlich und viel besser zu Fuss zu erkunden, als ich dachte. Die Gegensätze sind riesige, die älteren und neueren Wunden der Stadt allgegenwärtig. So viele Eindrücke. Zum Glück ist das Colony Hostel eine multikulturelle Oase, in der ich gut aufgehoben bin.