Nyheyet l ousbua / Wochenende

Manchmal mache ich auch ganz gewöhnliche Dinge: eine wunderschöne Frühlingswanderung in den Bergen bei Zahlé, zum Beispiel. Ich finde es im Alltag nicht ganz einfach, im öffentlichen Raum unterwegs zu sein. Alle Augen sind auf die ausländische Frau gerichtet, die mit dem Velo unterwegs ist, ebenso auf die Frau, die auch mal ganz alleine irgendwo etwas isst. Umso wohltuender ist es, ab und zu Strassen, Dörfer, Obstbäume, Wege und Schafherden hinter mir zu lassen, und auf einen Berg zu steigen. Hier oben ist sonst niemand und ich kann mich benehmen, wie ich will.

Letztes Wochenende hat auch das Kontrastprogramm nicht gefehlt. Unsere libanesischen Kolleginnen sind extrem herzlich und nehmen uns in die Runde ihrer Familien auf. Die ganze Volunteer-Gruppe war am Samstag zu einer Hochzeitsparty eingeladen. Ein rauschendes Fest, mit viel Musik und Tanz. Ich habe hier ein erstes und gleich noch ein zweites kurzes Video verlinkt und ihr seht eine ganze Hochzeitsgesellschaft, die Dabka tanzt…

Die Schule in Deir Zanoun

Seit 8 Tagen bin ich als Volunteer in der Schule in Deir Zanoun und habe in dieser Zeit schon geschätzte 100 neue junge und alte Menschen kennen gelernt, viele Geschichten gehört – und mir gewünscht, besser Arabisch zu können.

Der Japaner Yoshi hat die NGO “Greenhouse for all” mit der Schule als Kernstück auf die Beine gestellt. Er kommt aus einem Land, das praktisch keine Flüchtlinge aufnimmt und war beeindruckt vom Libanon, in dem – bei total ca. 6 Mio. Menschen – geschätzte 2 Millionen syrische Flüchtlinge leben. In seiner Schule bekommen 80 Kinder eine grundlegende Schulbildung und finden hier einen Ort, in dem sie malen, basteln und spielen können und an dem es immer Volunteers gibt, von denen sie auch mal in den Arm genommen werden.

Die 4 einheimischen Lehrerinnen unterrichten die Klassen und wir Volunteers sind dafür zuständig, dass darum herum alles funktioniert: dass Hefte und Stifte da sind, die Räume sauber sind, die Kinder den Weg in die Klassen finden – und dass die NGO eine Webseite bekommt und die Finanzen stimmen.

Die Schule hat tolle Bilder und Geschichten auf Instagram https://www.instagram.com/greenhouseforall/

Übers Reisen

Es ist wirklich ganz genial, so unterwegs zu sein und immer wieder Türen zu neuen Menschen und neuen Lebenswelten zu öffnen. Ich finde, wir müssten eigentlich alle im Laufe unseres Lebens eine Weile auf Wanderschaft gehen. Oft reisen wir ja einfach, indem wir unsere Hobbies in ein anderes Land verlegen, also woanders segeln oder Velo fahren. Ich meine hier aber ein langsames Reisen, bei dem man sich wirklich auf die anderen Menschen und ihre Realitäten einlässt.

Es gibt allerdings etwas, auf das ich mich nicht so richtig vorbereitet hatte: die Gemeinschaftsküchen mit immer wieder neuen Varianten von Kaffeetöpfen mit gefühlten jahrhundertealten Ablagerungen, die Abwaschbecken, die fettig glänzen oder verstopft sind. Aber wenn ihr damit umgehen könnt ist alles andere kein Problem mehr…

Von Beirut in die Beqaa Hochebene

Ich lasse Beirut hinter mir und arbeite im März als Volunteer in einer Schule für syrische Flüchtlingskinder in Bar Elias und wohne in Anjar. Heute bin ich von einer Welt in die andere gereist. Es waren nur 60 Kilometer, die ich mit Taxi, Bus, Tuktuk und zum Schluss sogar einem VELO zurück gelegt habe – und jetzt bin ich schon fast an der syrischen Grenze.

Nach einem wunderbaren Mittagessen sitzen wir noch eine Weile zusammen, Volunteers, Lehrerinnen, Verwandtschaft.

Und so bin ich hierher gekommen …