Les racines du ciel

Im Ofen brennt ein Feuer, vor der Tür schnarcht Peppo der Hofhund und es ist ausgesprochen gemütlich. Ich bin zwei Täler weiter in die Gemeinde Lassa gezogen und habe hier einen wunderbaren Ort gefunden, an dem ich etwas länger bleiben werde. Der Name des Hofes – “Les racines du ciel” – steht für den Traum von Raed, der hier im Dorf aufgewachsen ist und den Hof von seinem Vater übernommen hat. Inzwischen lebt Raed mit seiner Familie aus verschiedenen Gründen meistens in Frankreich und Hiske, eine junge Holländerin, bewirtschaftet den Hof zusammen mit dem syrischen Ehepaar Mohammed und Ferial.

Im März habe ich mich in der konservativen und dabei aber sehr lebendigen islamischen Kultur der Beqaa bewegt. Hier begegne ich nun über Hiske ganz anderen Menschen, die den Hof auf verschiedene Art und Weise unterstützen. Eli, dem Grafiker, zum Beispiel, der den Flyer für das Frühlingsfest des Hofes gestaltet, oder Salim, der ayurvedisch kocht und Workshops für gewaltfreie Kommunikation gibt.

Der Hof war früher ein reiner Apfel-Hof, wie es sie in den libanesischen Bergen sehr viele gibt. Inzwischen gibt es Apel- und Olivenbäume, Reben, alles erdenkliche Gemüse (von vielen Artischocken bis zu Zwiebeln) und ausserdem viele Wildgemüse und Kräuter.

Die Bildergalerie zeigt einige Eindrücke meiner ersten Woche hier, von wunderbaren Abendspaziergängen bis zu einer Fahrt in Mohammed’s altem Volvo über die einsamen Berge in die Beqaa, um an einem Ausbildungstag teilzunehmen und Setzlinge zu kaufen.

Instagram: lesracinesduciellb

Shou amelet bil ma7miye

Der Titel steht in der Vergangenheit: “Was ich im Reservat gemacht habe” – ich bin inzwischen auf einem kleinen Bio-Hof, aber es tut gerade gut, meine zwei Wochen im Zedernreservat noch einmal Revue passieren zu lassen. Und für die, die es interessiert: die 7 in ma7miye steht für ein “h”, das im Hals gesprochen wird, aber nicht so sehr kratzt wie das schweizerische “ch”.

Die Aufgaben und Arbeiten eines Schutzgebietes sind im Libanon nicht viel anders als in der Schweiz oder anderswo und das kleine Holz-Blockhaus am Eingang könnte auch in den Alpen stehen. Allerdings sind es andere Tiere, deren Spuren man sieht, oder die auf Aufnahmen der Fotofallen auftauchen. Meine Aufgabe war es unter anderem, die Aufnahmen zu sichten. Ich habe Tausende von Fotos durchgeklickt und war richtig aufgeregt, als ich nach vielen Mäusen, Mardern und Wildschweinen doch einige Aufnahmen von Streifenhyänen und Wölfen gefunden habe.

Wildcamera

Im Schutzgebiet habe ich die Frühlings-Blumenen fotografiert und mit meinem Kollegen Challita zusammen entlang der Zufahrtsstrasse Abfall gesammelt und sortiert. Ich habe ausserdem Rundgänge skizziert, auf denen Schülerinnen und Schüler oder auch Studierende lernen, Karten zu lesen und sich mit Kompass und Karte in der Landschaft zu orientieren. Zum Reservat gehört eine kleine Baumschule, dort haben wir die Erde für Zedernsamen vorbereitet und Wachholdersamen von ihren Hüllen befreit, um sie ebenfalls pflanzen zu können.

Das schöne Haus mit der fetten Auto-Zufahrt ist das Reservatshaus, in dem die Helferinnen und Helfer im Sommer wohnen. Im Moment haben wir noch unten im Tal gewohnt und das fand’ ich nicht ideal. Vielleicht komme ich im Sommer noch einmal für zwei Wochen, wenn das Leben wirklich oben in Arz Tannourine stattfindet.

Die weltbesten Süssigkeiten

Die weltbesten Süssigkeiten gibt’s hier im Libanon, wollte ich nur kurz sagen.

Heute regnet es bei uns in Tannourine et Tahta in Strömen und oben im Zedernreservat schneit es. So verbringen wir einen Tag am Computer, mit einem Feuer im Holzofen, das sogar die sonst eher kalte Wohnung des Parkmanagers gemütlich macht. Und zum Glück mit einer Portion süssen Gebäcks, das ich gestern in Batroun beim netten Personal der Confiserie Rafaat Hallab gekauft habe.

Drei Varianten Baklava habe ich gestern erstanden, die nichts mit den in Sirup getränkten Desserts zu tun haben, die man vielleicht kennt. Hier schmiegt sich die genau richtige Menge an Honig und Zucker an die knusprigen Blätterteigschichten und verschieden stark geröstete und gehackte Mandeln oder Pistazien mischen sich mit Zucker und etwas Rosenwasser zu einer wunderbaren Füllung. Dazu ein starker arabischer Kaffee und alles wird gut.

Arz Tannourine

“Arz” ist die Zeder auf Arabisch und Arz Tannourine ist ein Zedernschutzgebiet im Distrikt Batroun, im nördlichen Libanon. 60 Kilometer Luftlinie bin ich von der Schule in Deir Zenoun entfernt und gefühlt auf einem völlig anderen Planeten. Ich wusste ja, dass es im Libanon Berge gibt, aber ich habe nicht erwartet, dass es hier irgendwie vertraut aussieht – und dass es hier auch richtige “Bergler” gibt. Challita, der Manager des Schutzgebietes, kommt von hier, genauer gesagt aus Tannourine el Faouqa, dem oberen Tannourine, kennt jede Zeder und ist gegenüber der ausländischen Mitarbeiterin eher wortkarg. Im ersten Moment dachte ich gleich wieder an Abreise, aber inzwischen haben wir uns gut aneinander gewöhnt und ich bleibe doch 🙂

Berge und Bäume sind absolut genial hier. Das Schutzgebiet ist klein, es sind nur gut 600 ha, aber es ist der grösste (fast) reine Zedernwald des Landes. Überhaupt gibt es hier nur noch wenig Wald, schon die Phönizier und alle nachfolgenden Kulturen haben die Wälder für den Bau von Schiffen und Palästen geplündert. Umso beeindruckender sind die einzelnen riesigen und uralten Zedern, die hier stehen.