Auf den Tag genau 5 Monate war ich in Island und ein ganzes Jahr war ich auf Reisen. Und nun bin ich wieder zu Hause, sitze an meinem Tisch mit dem weiten Blick übers Gürbetal und auf die schroffen Gipfel des Berner Alpen. Es fühlt sich alles sehr vertraut und kuschelig an, aber ich möchte eigentlich gar nicht zu schnell wieder vollständig eintauchen, möchte das Staunen noch etwas beibehalten und vielleicht auch über Dinge stolpern, die vorher selbstverständlich waren.
Das Leben in Island habe ich als unaufgeregt, gradlinig und einfach empfunden, ein Eindruck, der sich in Gesprächen mit Menschen, die nach Island ausgewandert sind, gefestigt hat. Orte und Häuser sind wohltuend minimalistisch, unter anderem wohl auch, weil ja jedes Ding im Aussenraum sturmfest sein muss. Ausserdem nehme ich von Island die unglaublichen Weiten mit, die Flüsse, die sich ausbreiten können wie zu Urzeiten, die endlose wilde Küste und die intensiven Stimmungen der Natur, der die Menschen ausgesetzt sind. Das alles ist inzwischen so sehr ein Teil von mir geworden, dass es mir sehr fehlen wird.
Und doch habe ich gemerkt, dass ich mich gar nicht so gut kannte, wie ich dachte. Genau dafür reist man wohl. Ich dachte, ich sei eine Person, die vor allem dann glücklich ist, wenn sie ganz alleine irgendwo in der Wildnis steht und Licht und Weite bestaunt. Und ja, ich bin in solchen Momenten sehr glücklich – aber ich habe festgestellt, dass es letztlich die Begegnungen mit den Menschen waren, die mein Reisejahr geprägt und mir so viel gegeben haben. Ich habe so viele liebe und gute Menschen kennen gelernt: offene, inspirierende, tiefsinnige, manchmal auch oberflächliche, witzige, hart arbeitende, visionäre, mutige, entspannte, musizierende, malende, schweigsame oder auch mitteilsame. Junge und alte, Männer und Frauen in den unterschiedlichsten Lebensrealitäten.
Mit dem immer wieder wechselnden Gegenüber bin ich auch selber immer wieder eine etwas andere Claudia geworden. Manchmal zurückhaltend, weil die Weltanschauung meines Gesprächspartners so anders war als meine, manchmal überschwänglich und sprühend, weil sich im Gespräch mit einer vor kurzem noch fremden Person spannende Gedanken entwickelten und der Moment für beide stimmig und zufrieden war.
Als Illustration für diesen letzten Blogtext habe ich zwei Collagen gemacht. Einige Menschen auf den Bildern haben mich nur kurz begleitet, mit anderen bin ich immer noch im Kontakt – sie alle haben dieses geniale Jahr zu dem gemacht, was es war. DANKE!

.




































