
Ich bleibe erstmal drinnen…
Was aber gut passt an diesem Montag Mittag, der sich überhaupt nicht wie ein Montag Mittag anfühlt. Morgen nehme ich die Fähre nach Island und es ist Zeit, noch einmal zurück zu blicken.
Das Buch “Schafe im Schnee” hat mir beim Nachdenken und Verstehen geholfen. Huldar Breidfjörd erzählt sehr witzig von einem jungen Isländer, der auf die Färöer reist, um seine unbekannten Nachbarn kennen zu lernen. Mir hat das Buch neue Einsichten gebracht und Anderes bestätigt: Diese beiden Nationen bringen einerseits die verschlossensten Menschen hervor (oh oh…). Andererseits sind die Haustüren die offensten: nie abgeschlossen und ohne Klingeln, man geht einfach rein. Es herrschen ein Grundvertrauen und eine gewisse entspannte Arglosigkeit, das habe ich auch bei meiner Gastgeberin Sonja in Torshavn so empfunden.

Ein Geheimnis, dass auch die von mir befragten Einheimischen nicht lüften konnten, ist die Geschichte dieser kleinen Grashöcker zwischen Dalur und Skavanes. Dafür habe ich erfahren, dass die Geburtenrate hier bei fast 3 Kindern pro Frau liegt, was erklärt, warum so viel gebaut wird. Und was wohl mit der Religiosität und der sehr traditionellen Rollenbilder zu tun hat. Neben der staatlichen Kirche gibt es unzählige Sekten und einer der 3 wichtigsten Radiosender ist ein christlicher, ich kenne ihn schon gut… Vor ein paar Tagen war eine Frauengruppe in Röcken mit mir auf der Fähre zur Insel Hestur. Als ich den wie immer steilen Hang hinter dem Dorf hoch gestiegen bin, sah ich sie unten im Dorf von Haus zu Haus huschen. Und am nächsten Tag bekam ich die Gewissheit: eine der Frauen war bei meiner Torshavner Gastgeberin zu Besuch – für eine Diskussionsrunde und Bibel Lesung der Zeugen Jehovas.
Mit einem Schulleiter habe ich mich über die riesigen Infrastruktur-Projekte auf den Inseln unterhalten. Es scheint keine Grenzen für Investitionen in Strassen, Tunnel, Schulen und Spielplätze zu geben. Er meinte, dass der Fischfang das Land (das ja offiziell gar kein eigenständiges Land ist) zu einem der reichsten der Welt mache. Das Pro Kopf Einkommen sei so hoch, dass es an öffentlichen Geldern nie mangelt.


Das Gegenstück dazu: Wie überall auf den Färöer haben auch auf Sandoy die markanten Felsformationen Namen. Oft werden die aus dem Wasser ragenden Felsen als Körperteile von unglücklichen Wesen – Trollen, Riesinnen oder in Steinen lebende Huldra – verstanden, die zwei Inseln zueinander oder gar die Färöer-Inseln nach Island ziehen wollten und dafür bestraft wurden.

Viel Geld, Religion und Sagen, dazu eher verschlossene Leute – und doch haben diese Inseln etwas. Meine letzen 3 Tage hier verbringe ich im “Mölin” in Skalavik, auf der Insel Sandoy. Ein wunderbarer Ort, an dem ich mich bei Wirtin Birita gut aufgehoben fühle. Sie ist eigentlich Lehrerin und hat sich zwei Jahre frei genommen, um aus dem Haus ihrer Vorfahren ein kleines Hotel mit Café und Restaurant zu machen. Ein stimmiger Abschluss meiner Färöer Zeit.
































