Wie “man” Weihnachten in Island feiert, weiss ich immer noch nicht. Meine grosse, hart arbeitende, lebenslustige, chaotische, viel essende und lachende Gastfamilie habe ich nun in dieser Zeit erlebt, aber das Fest wird sicher bei anderen Menschen ganz anders gefeiert.

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Es fängt alles mit den Jólasveinar an, mit den 13 Weihnachtsburschen, von denen je einer an den 13 Tagen vor Weihnachten sein Unwesen treibt. Da gibt es den Türknaller, den Topflecker, den Wurstdieb oder den Gluggagægir, der in fremde Fenster schaut (bei Interesse: Jolasveinar – Wikipedia). Mir ist dieser wilde Haufen allerdings nur in Form eines Kartenspiels begegnet, das mir Hafdis geschenkt hat. Und eines Abends kam Anna ganz erschöpft aber zufrieden nach Hause und zeigte uns Fotos und Filmli: sie ist mit ihren Kindern 6 Stunden Auto gefahren, um beim jährlichen Bad der Jólasveinar im Thermalbad Myvatn dabei zu sein. Ein wildes Volksfest, bei dem es hoch zu und her geht.


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Hier waren die Weihnachtsattribute schon den ganzen Monat präsent: kitschig fröhliche Musik bei der Stallschicht, dauernde Weihnachtstrickfilme und -shows am Fernseher, bunte Lichterketten und leuchtende Samichläuse überall, immer wieder ein spezielles Essen, das zu einem bestimmten Tag gehört, Berge von Geschenken, die im Wohnzimmer eingepackt wurden. Während wir noch so tun als könnte die Weihnachtszeit etwas Ruhiges und Besinnliches haben, wird das hier gar nicht erst probiert – zumindest nicht in der Welt, in der ich mich gerade befinde.




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Am 24. haben uns Guðrún und ihre Schwester nach einer frühen Abend-Stallschicht mit einem Festessen verwöhnt, dann hat Mutter Guðrún Geschenke an die jüngere Generation verteilt, die eher etwas gelangweilt im Sofa hing. Im Fernseher lief dabei ein Filmklassiker, bei dem es auch mal Tote gab. Die Menschen hier in Minni Akrar verbringen so viel Zeit bei gemeinsamem Essen und Arbeiten, ernsthaften und fröhlichen Gesprächen – aber zusätzliches Feiern scheint mir nicht so ihr Ding zu sein. Oder vielleicht ist es einfach nicht nötig, weil sie es im Alltag so gut zusammen haben.

































