westwärts

Ich plane schon lange einen Blogtext über das, was Island politisch und gesellschaftlich beschäftigt. Und diesen Text schreibe ich auch bald, versprochen. Aber seit dem Wochenende haben sich Sturm und Regen beruhigt und ich nutze die meist sonnigen Tage, um die Umgebung von Borgarnes auszukundschaften – und habe dabei wunderbare Landschaften gefunden.

Zuerst bin ich westwärts gefahren, in Richtung Snæfellsnes, bin aber gar nicht so weit gekommen, weil es schon vorher so schön war.

Sonnenaufgang über Barnarborgarhraun (hraun wird hrön ausgesprochen und heisst Lava)

Morgenlicht in der Ebene vor dem Fagraskogarfjall

Blick auf Lindartunga

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Ich bin so froh, nicht in der touristischen Hochsaison hier zu sein, und froh, so viel Zeit für die einzelnen Orte zu haben. Die grossen Parkplätze mag ich leer viel lieber.

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Nette Begegnung bei Sonnenaufgang am Grábrók Krater. 10 Grad minus war es dort am Montag Morgen!

Noch vor wenigen Wochen hatte ich mich gewundert …

… warum die meisten Museen schon für den Winter geschlossen haben. Jetzt weiss ich es: nach geschätzten 3 Wochen Herbst ist hier Winter! Nach dem ersten Schneesturm letzte Woche ist es heute zwar mit rund 5 Grad wieder etwas wärmer, aber es gibt oft Schneeregen, slydda auf Isländisch, und es ist meist stürmisch und bewölkt und um 0 Grad.

Blick aus dem Fenster am 12. Oktober

Die Tage werden sehr schnell kürzer, um 19 Uhr ist es inzwischen dunkel. Ich mag die Dämmerung allerdings sehr gerne, ich finde sie sehr inspirierend zum Fotografieren. Von meinem heutigen Abendspaziergang habe ich ein paar Borgarneser Farben mitgebracht. In Borgarnes leben rund 2’200 Menschen, für Island ist das ein Städtchen. Der Ort ist nicht reich und vor allem die Gewerbehalbinsel Brakery, über die ich spaziert bin, hat schon bessere Zeiten gesehen.

Nach einer intensiven Woche mit 2 Kunstworkshops und vielen neuen Bekanntschaften bin ich nun im Haus von Michelle Bird, während sie auf Reisen ist. Ich hüte Haus und Katzen und arbeite mit Kolleginnen von ihr an diversen Projekten. Mit Signy Oskarsdottir arbeite ich an einem Projekt, das Räume für gemeinschaftliches kreatives Denken zur Verfügung stellen möchte. Heute Nachmittag haben wir uns zu diesem Thema mit Sigga getroffen: sie bietet auf ihrem Hof Ziegenspaziergänge an (was mir sehr bekannt vorkommt!) und wir haben überlegt, ob dieser Ort und die Gesellschaft der Ziegen dem kreativen Denken förderlich sein könnte. Wir sind auch beim Thema des Drucks auf die Landwirtschaft angelangt, und bei der Frage, wie die Betriebe durch Ideen wie die der solidarischen Netzwerke unterstützt werden können. Ich konnte einiges aus der Schweiz berichten und fand es erstaunlich, dass ich mich hier nun plötzlich mit Themen beschäftige, die wieder mehr mit meinem Leben und Arbeiten in der Schweiz zu tun haben.

Mine Mindmap mit allen Kontakten und mit Allem, was ich nicht vergessen sollte, hängt an der Küchentür und macht sich gut vor dem Bild, finde ich.

Von einer Welt in die andere

Seit 8 Monaten bin ich nun unterwegs. Ich denke (und hoffe…) , dass ich nach einem Jahr Unterwegssein genug davon haben werde. Im Moment bin ich allerdings noch sehr freudig unterwegs, verabschiede mich mit etwas Wehmut von lieben Menschen und schönen Orten, freue mich, mit meiner grossen Tasche weiter zu ziehen und in immer wieder neue Welten einzutauchen. Es gibt so viel Unbekanntes und Inspirierendes zu entdecken, so nette Menschen überall.

Vom Hof am Eyjafjördur, von Anna und ihrer Familie, die seit Generationen in dieser Gegend lebt, bin ich in den Südwesten von Island gezogen, nach Borganes. Zu Michelle Bird, einer Künstlerin, die ursprünglich aus den USA stammt, in vielen Ländern gelebt hat und nun seit 10 Jahren in Island lebt und hier eine bekannte und extrem gut vernetzte Person ist.

Heute stürmt es draussen und aus dem Küchenfenster sehe ich ein graublaues aufgewühltes Meer. Mir scheint Michelle’s wunderschönes Haus der richtige Ort zu sein, um mich für einige Monate niederzulassen und zu erleben, wie es dunkler und (noch) kälter wird.

am Eyjafjördur ist es kälter geworden / Anna hat Abschiedswaffeln gebacken / auch Kunst – der wunderbare Werkzeugschuppen auf Áshóll
zwischen den Welten
neue Farben und Formen / Michelle in ihrer Küche, umgeben von ihrer Kunst / Wochenendworkshop

Áshóll – bragðgæði ad norðan

“Áshóll – Wohlgeschmack aus dem Norden” – die Kartoffeln sind geerntet!

Gerade vor dem schlechten Wetter vor einer Woche sind wir fertig geworden. Fünf Wochen lang haben wir täglich geerntet und, wenn ich mich richtig erinnere, nur 1 oder 2 Mal im Nieselregen. Der isländische Herbst hat sich von der besten Seite gezeigt.

Nun sind die übrigen Arbeiten dran, die am Ende der landwirtschaftlichen und touristischen Hauptsaison anfallen. Wir putzen Maschinen und Fahrzeuge, streichen Bänke und Wände, reinigen die Ferienhäuser gründlich. Ich vermisse die Erntearbeit schon etwas, auch wenn die 5-Stunden Schichten bei Wind und Kälte manchmal nicht ganz einfach waren. Aber wir waren immer draussen unter dem weiten Himmel, mit Blick auf die Licht- und Wolkenspiele über dem Eyjafjördur. Ich bin in diesen Wochen sehr ruhig und zufrieden geworden, und zu meiner grossen Überraschung vor dem Spiegel im Schwimmbad sehe ich es auch meinem Oberkörper und meinen Armen an, dass ich körperlich gearbeitet habe und nicht am Computer sass…

Ich nutze die Gelegenheit, um noch einmal an die verschiedenen Arbeiten und Momente der Erntezeit zu denken. Danach steige ich auf den Laufasnajukur hinter dem Hof, die Sonne strahlt auf die gelben Bäume und den blauen Fjord!

Die letzten Säcke vor abgeernteten Feldern. In den grossen Säcken haben rund 500 kg Kartoffeln Platz, insgesamt haben wir ungefähr 300 Tonnen geerntet.

Wildgänse von der Erntemaschine aus gesehen

Und zum Schluss die Erntemaschine auf dem Feld unten am Fjord