Färöer / Føroyar [ˈfœɹjaɹ], die Schafsinseln

54’000 Menschen und doppelt so viele Schafe leben auf diesen 18 Inseln im Nordatlantik. Es sind etwa so viele Leute wie in Biel, aber während Biel ja nur eine einzige kompakte Stadt ist, gibt es auf den Färöer 30 Gemeinden mit über 100 Siedlungen – was heisst, dass die einzelnen Siedlungen nicht sehr gross sind.

Gjogv auf der Insel Eysturoy. In der Schlucht rechts im Bild wurden (und werden?) die kleinen Fischerboote ins Wasser gelassen…

Mit den Workaway-Einsätzen als freiwillige Helferin ist es hier nicht ganz so einfach und ich bin sehr froh, dass ich in meiner “Fährenbekanntschaft” Melanie eine Freundin gefunden habe, mit der ich die Inseln erkunde. Die Natur ist überwältigend schön und dabei hart und herausfordernd, das kann ich auch als Sommer-Touristin nach 4 Tagen schon erahnen.

21’000 Einheimische und ziemlich viele Gäste – so auch ich – wohnen in der Hauptstadt Torshavn. Eine faszinierende kleine Stadt, in der es an Geld, Platz, Geschichte, Geschmack, Kunst, öffentlichen Plätzen und Parks, Cafés und Restaurants, Schiffen, Autos und Gratis-Bussen nicht mangelt. In den neuen Wohngebieten, wird so “geklotzt”, dass ich mich frage, ob das wirklich nötig ist (und vielleicht ist es das in einer Gegend, in der man sich nur selten draussen zum gemütlichen Beisammensein trifft). Der Stadtpark ist ein Wald, was hier einzigartig und wunderschön ist, an dessen Rand Skulpturen der kleinen Nationalgalerie stehen. Ebenfalls am Rand des Stadtparks steht das Holzhaus mit dem traditionellen Grasdach, das sich so wunderbar in die Landschaft einfügt.

Im Moment sammle ich Eindrücke, kenne aber oft die Hintergründe dessen, was ich sehe, nicht. Ich würde mich freuen, wenn es in den nächsten 2.5 Wochen doch noch mit einem Workaway-Einsatz klappt, danach reise ich nach Island weiter. Ich bin gespannt.

Unterwegs nach Norden

Drei Tage lang – von Sonntag Nachmittag bis heute, Mittwoch Nachmittag, bin ich nach Norden gereist. Es war eine lange und der Distanz würdige Reise, in der Vieles Platz hatte. Die nächtliche Reise durch Deutschland, auf der es so viele interessante Schlafpositionen zu beobachten gab wie Leute im Zug sassen, die übliche Verspätung der DB, die mich in Flensburg den Anschluss verpassen liess, für den ich extra durch die Nacht gefahren war, die netten Gespräche mit dänischen und deutschen Mitreisenden im überfüllten Zug – und schliesslich eine 31 stündige Fährenfahrt von Hirtshals bis Torshaven, die beeindruckend und wohltuend war. Es kam immer wieder Land in Sicht, das von den Reisenden wie neu entdeckt bestaunt wurde. Erst die norwegische Süd- und Südwestküste, heute morgen die Shetland Islands und schliesslich die Färöer-Inseln. Es herrschte eine richtige Aufregung an Bord, als wir den Hafen anliefen, alle (zum Glück nicht wirklich alle) Leute standen trotz heftigem Wind ganz vorne um die Ankunft in Torshavn mitzuerleben.


Vielleicht hätte ich eine Workaway-Stelle auf einem Schiff suchen sollen, mir gefällt’s auf der Fähre…


Land in Sicht – erster Blick auf die Färöer-Inseln.

Mehr habe ich noch nicht zu berichten. Ich wollte nur sagen, dass ich mich aus der gemütlichen heimatlichen Hängematte heraus bewegt habe und wieder unterwegs bin.

Warum ich wiederkommen werde

“Trotz allem” wiederkommen, sollte ich sagen. Der Libanon ist ein zerrissenes Land und eine Katastrophe für viele Menschen, die hier leben müssen und eigentlich lieber weg wollen. Es ist ein bröckelndes Mosaik aus unterschiedlichsten Welten, die nicht viel miteinander zu tun haben. Es gibt keine funktionierende Regierung und es fehlt alles, was ein Staat bietet. Von Bemühungen um den nationalen Zusammenhalt über soziale Absicherung bis zur Abfall- und Abwasserbewirtschaftung – alles inexistent.

Aber als Besucherin aus Europe kann ich es mir leisten, die Sonnenseiten zu sehen und zu erleben, und so bin ich etwas wehmütig in diesen Abschiedstagen und habe viele Gründe, wieder zu kommen.

Der wichtigste Grund sind die Menschen, denen ich unterwegs begegnet bin, aber das wisst ihr ja schon 🙂 Es wurde mir noch nie in meinem Leben so einfach gemacht, mich in einer kleinen oder grösseren Gruppe so herzlich aufgenommen zu fühlen. Das hat mit der hiesigen Gastfreundschaft zu tun und auch mit meinem Dasein als entspannte und sorgenfreie Reisende, die das Leben und die Gesellschaft geniesst.

Der zweite Grund ist die Schönheit dieses bergigen Landes, in dem auch das Meer nie sehr weit ist.

Der dritte Grund ist das wunderbare Essen! Ich hatte das Glück, bei so vielen Menschen – Frauen und Männern – zu Gast zu sein, für die das Kochen eine wichtige Fähigkeit oder sogar Kunst ist. Ich habe in den 5 Monaten hier wenig selber gekocht und so gut und gesund gegessen wie selten zuvor. Keine verarbeiteten Lebensmittel, viel frisches Gemüse – oft selber angebaut – und sehr viele Früchte. Hier wächst einfach alles, von Bananen und Mangos bis zu Avocados und Äpfeln.

Es gäbe noch viele Gründe zu erwähnen, aber belasse es bei diesen drei. – Nein, einen möchte ich doch noch nennen: Die Leute fahren hier mit offenen Fenstern Auto und ich mag das extrem …