Lebanon Mountain Trail LMT, Qoubaiyat to Ehden

Kleine Planänderung: anstatt erst länger auf dem Hof zu bleiben und dann den LMT zu laufen, bin ich letzten Sonntag gestartet. Ich werde den Mai wandernd verbringen – 470 Kilometer von der syrischen bis zur israelischen Grenze – und danach wieder auf den Hof in Lassa gehen. Ich fühle mich inzwischen mit Land und Leuten sicher genug und traue mir die Weitwanderung zu. Nach den ersten 5 Tagen bin ich ganz euphorisch: die Landschaft ist noch beeindruckender und hier im Norden “alpiner” als ich dachte, der Frühsommer ideal zum Wandern, die Leute in den Dörfern und Unterkünften nett und hilfsbereit. 

1. Einkauf auf dem Souk in Tripoli. 2. Taxifahrer Samir bringt mich in die Berge nach Qoubaiyat. Er erzählt, dass er in 2 Wochen “auch so etwas macht wie ich”. Er will mit seinem 8 jährigen Sohn legal nach Serbien reisen und sich dann über die Grenze nach Ungarn durchschlagen, wo ihn Freunde erwarten. Er ist einer der Verzweifelten dieses Landes – und ich sitze neben ihm und bin doch meilenweit von ihm entfernt. 3. Die Touristin aus dem reichen Europa kann also loswandern und sich daran freuen, dass der LMT so gut markiert ist. 4. und 5. Und sie kann sich darüber freuen, wie schön die Landschaft im Norden des Landes ist. Auch über 1500 M.ü.M gibt es kleine landwirtschaftliche Flächen, hier üppig, oft auch karg und voller Steine. 6. Der illegale Holzschlag ist etwas sehr Bedrückendes, dem ich auf meinen Wegen begegne. Alte Wälder mit riesigen Bäumen werden zerstört. 7. Die Menschen sind so hilfsbereit. Am zweiten Wandertag haben mir nachmittags nacheinander mindestens 6 Personen geholfen, vom Ende der Etappe zum Hotel zu kommen… Inklusive Gemüse Verkäufer, der mir meinen Einkauf geschenkt hat. 8. Die Wildblumen hier sind unglaublich, so etwas habe ich schon lange nicht mehr gesehen. 9. Ich schaue jeden gelben Strommasten ganz erwartungsvoll an und oft trägt er auch wirklich die weiss-lila Markierung. 10. An das libanesische Frühstück kann ich mich gewöhnen… 11. Auch das gibt es hier: Kahle Berge (wobei der Kahlschlag schon den Phöniziern, Griechen und Römern zu zuschreiben ist) und brutale private Bauvorhaben der Neuzeit. 12. Horsh Eden, ein grosses Waldschutzgebiet. Eine Wohltat nach einem langen Weg über heisse kahle Berge. 13. Bane, hier bin ich heute. 90% der Menschen, die hier ein Wohnrecht haben, leben in Australien und finanzieren ihrem Heimatort eine 100 %-ige Abdeckung mit Solarenergie. 14. Meine Schuhe haben eine Reinigung bekommen und freuen sich auf die nächste Etappe.

http://lebanontrail.org/home

2 thoughts on “Lebanon Mountain Trail LMT, Qoubaiyat to Ehden”

  1. So eine schöne Gegend und zusätzlich so nette Menschen – unglaublich das Potenzial dieses Landes! Und die korrupte Politik, die einfach alles kaputt macht. Das ist wirklich zum Verzweifeln.
    Das ist eine so eindrückliche Reise, Claudia.
    Herzlicher Gruss
    Karin

  2. Toller Trail, schöne Landschaft! Aber
    “Reiches Europa” – Einspruch, Euer Ehren. Jeder Deutsche steht mit 26.000 Euro in der Kreide, Tendenz steigend. https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2021/07/PD21_357_713.html
    Die “reiche Schweiz” ist auch gut dabei. und Europa – ein (trauriger) Witz: https://de.statista.com/statistik/daten/studie/198377/umfrage/staatsverschuldung-in-der-europaeischen-union/
    Letztens hat hier ein Kind mit einer tiefen Gesichtsverletzung im Notfall gewartet. Wurde dann genäht. Nach drei Stunden.
    Schönes Wandern!

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