Lebanon Mountain Trail, Baskinta to Aaitanit: Begegnungen, Zeichen und Landschaften

Ich bin früh in meiner Airbnb-Unterkunft in Kherbet angekommen, weil mich beim Autostopp vom LMT ins Dorf wieder auf Anhieb jemand mitgenommen hat. Das grosse schwarze Auto fuhr erst an mir vorbei, dann hat der Fahrer umgedreht und mir mit den Worten “let’s go!” die Autotür geöffnet. Die Leute hier gehen auf die Besucherinnen und Besucher zu und teilen, was sie haben: eine Mitfahrgelegenheit, frisch geerntete Kirschen, einen Kaffee oder Tee, Wasser, das sie auf einen Hof transportieren – oder einfach ein paar nette Worte. Deswegen fühle ich mich auf meiner Wanderung so gut aufgehoben und auch nicht wirklich alleine.

Ebenfalls sehr hilfreich ist die gute Ausstattung des Weges: die Markierungen sind so gut und regelmässige angebracht, dass ich schon stutzig werde, wenn ich mal 50 Meter ohne ein Zeichen laufe. Die Markierungen sind ausserdem differenzierter als bei uns, was sehr hilfreich ist.

Ich habe ausserdem die ganze Strecke auf Gaia GPS, so dass ich den Weg und meinen genauen Standort jederzeit sehen kann. Solange ich aufmerksam bin, kann ich den Weg so wirklich nicht verfehlen. Es passiert mir aber trotzdem manchmal, dass ich auf einem wunderbaren neu angelegten Weg fröhlich vor mich hin marschiere und erst später merke, dass der Weg zwar neu angelegt aber nicht meiner ist.

Die Landschaften, durch die ich wandere, sind durch eine Jahrtausende alte menschliche Nutzung geprägt. Das Libanon-Gebirge war für sämtliche Zivilisationen, die hier kamen und gingen, einerseits Quelle von Rohstoffen, andererseits ein Ort, in dem die Götter zu hausen schienen und in den Heldengeschichten projeziert wurden. Die heutige Landschaft erzählt von dieser Geschichte. Und sie erzählt davon, dass die Berge heute immer noch beides sind: Rohstoff, den man umgestalten, ausbeuten und zu Geld machen kann – und Sehnsuchtsort, in den man pilgert, um die 3000-jährige Zeder zu sehen, oder in dem man sich sein Ferienhaus als Rückzugsort baut.

2 thoughts on “Lebanon Mountain Trail, Baskinta to Aaitanit: Begegnungen, Zeichen und Landschaften”

  1. Diese Foto mit Dir wandernd in den Bergen und am Horizont das Meer ist grandios!!!!

    1. Merci, liebe Karin, ich mag das Bild auch so gerne. Yoshi ist für 1.5 Tage mitgewandert und so gibt es mal etwas andere Bilder von mir. Wir konnten erst gar nicht glauben, dass wir da wirklich das Meer sehen. Diese Nähe der einsamen Berge (das Bild ist vom Biosphären-Reservat El Chouf) zum Meer und zur vollen und lauten Küste ist unglaublich.

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