
Ernten für den Souk-el-Tayyeb in Beirut: Manal, Hiske und Ferial, vorne Benjamin und Bassam.
Nach meinem Wander-Monat bin ich wieder auf dem Hof “Les Racines du Ciel” in Lassa. Es war ein echtes Heimkommen – und doch sehe ich beim zweiten Hinschauen die Dinge etwas anders. Mir fiel beim Wandern auf, dass auf den Feldern ausschliesslich muslimische Menschen arbeiten, hauptsächlich Syrerinnen und Syrer, die zum Teil schon seit Jahrzehnten hier leben oder hier geboren sind. Diejenigen, die das Land bearbeiten, wohnen in ärmlichen Häusern. Diejenigen, denen das Land gehört, wohnen im Ausland oder an der Küste, lassen ihre Villen in den Bergen die meiste Zeit des Jahres leer stehen und kommen nur für die Sommermonate her.
Und ja, tatsächlich ist es auch hier in Les Racines du Ciel so.


Links die Häuser der Besitzerfamilien, von denen eines nun immerhin seit einer Woche bewohnt ist; auf dem rechten Bild das Nachbarshaus, in dem ich noch nie ein Lebenszeichen gesehen habe.
Den beiden syrischen Familien wird ihr Platz in der Rangordnumg räumlich zugewiesen. Eine Familie wohnt schattseitig am Hang im UG des Landhauses, die andere in einem schlecht gebauten Truckli weiter oben auf dem Land. Und dabei sind sie es, die die ganze Arbeit machen, d.h. diesen grossen Obst – und Gemüsehof bewirtschaften. Hiske macht als Vertreterin der Besitzerfamilien einen guten Job und ist gut darin, neue Absatzmärkte zu finden. Aber wir Volunteers machen doch eher leichtere und nebensächliche Arbeiten: wir waschen Flaschen und füllen Saft, Wein oder Cider ab, helfen bei der Alkoholdestillation, bereiten für den Markt vor, sammeln Kräuter und Blumen und kümmern uns um die Wildhecke. Mit der Feldarbeit und den Ziegen und Gänsen haben wir nichts zu tun – und dieses Mal fühle ich mich dabei nicht ganz wohl.
Trotzdem gibt es Momente, in denen ich das sehr entspannte Leben in Hiskes Volunteer-Team, die sonntäglichen Besuche und die schöne Umgebung einfach geniesse…









Liebe Claudia,
ja wie sich die Wahrnehmung durch eine neue Erfahrung verändert. Das ist ganz Feldenkraisisch. In der Bewegung passiert ja das auch.
Hg
Hanneloni
Das macht mich gerade nachdenklich. Wohl überall die gleichen Muster. Zahlen diese reichen Menschen mit den grossen Häusern immerhin Steuern? Wohl nicht, da der Staat gar nicht richtig funktioniert. Ich darf mir die bitteren Gedanken der Syrer:innen gar nicht vorstellen. Zumal dieser Hardliner Assad gerade von der Arabischen Welt an ihrem Gipfel vor 2,3 Wochen wieder aufgenommen und rehabilitiert wurde. All das Leid für nichts? Ich selbst würde vermutlich verbittern.
Die Fotos sind trotzdem sehr schön. Der Umgang mit Ambiguität eine alltägliche Herausforderung.
Ganz liebe Grüsse in den Süden! Karin
liebe Karin, die Frage nach den Steuern ist eine gute – ich werde Hiske oder ihre Freunde noch fragen, ich weiss es effektiv nicht. Und ja, der Umgang mit Hierarchien, Ungerechtigkeiten und der guten und der schlechten Seiten einer Medaille ist ja auch bei uns ein Thema. Als Reisende und Entdeckende sehe ich hier Dinge, die es bei uns in etwas anderer Form auch gibt, aber die mir aus lauter Gewohnheit nicht mehr auffallen. Herzlich, Claudia