Am Samstag morgen um 6 bin ich losgezogen, sehr vorfreudig aber auch im Wissen, dass ich gut auf mich aufpassen muss, weil ich drei Tage lang niemandem begegnen und keinen Handyempfang haben werde. Der sonntägliche digitale Blumenstrauss meiner Schwiegermutter hat mich dann zu meiner grossen Überraschung trotzdem erreicht und gefreut, vielleicht sind heutzutage sogar die kleinen Leuchttürme mit Handyantennen ausgestattet…
Am Ende des 19. Jahrhunderts lebten auf der Halbinsel nördlich von Áshóll noch mehrere Hundert Personen, in kleinen einsamen Höfen, die per Schiff oder zu Fuss erreichbar waren. Das Leben in dieser Einsamkeit muss extrem rau gewesen sein. Das Buch „Der Schmerz der Engel“ von Jón Kalman Stefánsson habe ich schon vor langer Zeit gelesen und mir sind die Bilder geblieben: Der Briefträger und sein Gehilfe, die im Winter nicht nur Briefe, sondern auch Lebensnotwendiges zu den abgelegenen Höfen bringen, kämpfen mit Schneestürmen und Lawinen. In den Orten angekommen, müssen sich sich regelrecht nach unten graben, um die Menschen, die sich in den Torfhäusern um die Wärme des Ofens versammeln, überhaupt zu finden. Heute erinnern kleine Tafeln an diese Orte und an den besonders schönen Plätzen, so scheint es mir, stehen Schutzhütten der isländischen Lebensrettungsgesellschaft.





Und zum Glück ist es noch nicht Winter und so konnte ich zu Fuss – wenn auch mit ziemlich nassen Füssen- und ohne Lawinengefahr von Grenivik über Látur nach Keflavik wandern, von dort der Küste entlang nach Þönglabakki (Þ wird wie ein weiches englisches “th” ausgesprochen) und an der gewaltigen Flussebene der Auslurá nach Gil und wieder zurück nach Áshóll. Die Ortsnamen sind wahrscheinlich nicht für alle Leserinnen und Leser wirklich relevant, aber ich schreibe ja immer auch ein bisschen für mich, für später 🙂




Es waren drei intensive Tage in einer völlig anderen Welt: weite Täler, mit wunderbaren Mäandern der Flüsse, dunkle Berge an deren Hänge die Büsche in Gelb und das Laub der Heidelbeeren in Rot leuchteten, hellgrünes Moos in den Bachläufen und oft der Blick auf die Weite des Meeres. Es war aber auch anstrengend, weil die Etappen lang und die Wege nicht immer einfach zu finden waren, unzählige Bäche und Flüsse gequert werden mussten und es am dritten Tag nur wenige Grad über Null war und geregnet hat. Aber kaum bin ich wieder „home“ in Áshóll, überlege ich schon, wie ich es anstellen kann, noch einmal Zeit in dieser einsamen Landschaft und den kleinen Hütten direkt am Meer zu verbringen.




Als ich nach der Wanderung zurück kam und mir einen Tee gemacht habe, fiel mir plötzlich zum ersten Mal auf, was es so hoch im Norden alles nicht gibt: es gibt keinen Zwetschgenkuchen mit oder ohne Nidle und es gibt auch keinen frischen Apfelkuchen als Ersatz…
Boskop Öpfuwähe ein Ersatz !? tz tz tz
Ja, sorry, Zwetschgenkuchen ist nun mal mein absoluter Lieblingskuchen…
Liebe Claudia,
sooo tolle Bilder der Landschaften. Du bist wirklich gut. Ich könnte das nicht ganz alleine 3 Tage ohne Menschen und in so einem fremden Land unterwegs sein.
Hier ist es glücklicherweise nicht mehr so heiss.
In grosser Vorfreude auf dein nächstes Mail
Hg
Hanneloni