Lífið á Minni Ökrum

Das Leben in Minni Akrar, dem “kleinen Acker”. Für mich viel Neues, Inspirierendes und Berührendes, Zwiespältiges auch, viele nette Gespräche am Küchentisch, viel Arbeit.

Vagn hat uns heute nach dem Mittagessen ein kleines Fotoalbum gezeigt: vor 20 Jahren lebte hier ein junges Paar mit 4 Kindern in einem kleinen vollgestopften aber sehr kuscheligem Holzhaus. Heute leben je nach Wochentag bis zu 17 Personen in zwei kleinen, vollgestopften aber immer noch kuscheligen Häusern. Die Eltern Guðrún und Vagn, 4 erwachsene Kinder, deren Kinder und Partner/-innen, plus die Helferinnen.

Alle 4 Kinder der Familie sind jung, d.h. zwischen 18 und 23, Mutter oder Vater geworden. Ich habe mir sagen lassen, dass es in Island aktuell Tendenz ist, jung Kinder zu haben. Wenn ich mir anschaue, wie unkompliziert hier alle mit den Kindern umgehen – ganz egal ob das Kind das eigene, das des Bruders oder das der Partnerin aus einer früheren Beziehung ist – finde ich das junge Elternsein toll, das ist mir glaube ich noch nie passiert. Der Mutter- und Vaterschaftsurlaub beträgt je 6 Monate, in denen 80% des Gehalts bezahlt werden. Als ein “essentieller Schritt zur Geschlechtergleichstellung” wird diese Regelung verstanden, da könnten andere Länder noch etwas lernen.

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Minni Akrar war über Generationen ein Schaf- und Kuhhof, bis vor Jahren die ganze Schafherde wegen einer Prionen-Erkrankung geschlachtet werden musste. Bauer Vagn meinte heute beim Kaffee, dass ihm die Schafe bessere Freunde waren und er sie vermisst. Die 30 Kühe (gestern waren es noch 31), die zusammen täglich rund 600 Liter Milch produzieren, stehen im langen Winter tagaus tagein in einem Stall der alten Art und sind in ihren Boxen angebunden, das finde ich nicht ganz einfach zu ertragen. Sohn Stefan wird ab 2024 hauptberuflich auf dem Hof arbeiten: gerade hat er mir von seinen Plänen erzählt, einen modernen Laufstall mit Milchroboter zu bauen, hoffentlich wird dieser Traum wahr.

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Minni Akrar liegt in einer wunderbaren weiten Landschaft in der Gemeinde Skagafjördur, hinter dem Haus zieht sich das Land zu den Bergen hoch. 10 Tage lang war es um minus 10 Grad und klar und ich bin trotz der Kälte viel gelaufen und habe die Weite und das intensive Licht sehr genossen. Verrückt ist auch hier das Hintergrundgeräusch der Fahrzeuge auf der Hauptstrasse, die Strasse Nr. 1 ist buchstäblich überall. Bei einem unserer Kaffee-Gespräche habe ich erfahren, dass alle Güter, die per Schiff nach Island kommen, in Reykjavik ausgeladen und dann auf Lastwagen umgeladen werden. Früher wurden sie per Schiff in den Norden oder Osten des Landes gebracht, heute werden sie spät abends mit Lastwagen auf der Strasse Nr.1 transportiert.

One thought on “Lífið á Minni Ökrum”

  1. Liebe Claudia,

    danke für deine Bilder. Du siehst gut aus in der Stallbekleidung. Melkst du auch? Sicher wird Weihnachten mit all diesen Menschen ein tolles Fest.

    Hg

    Hanneloni

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